Zollstock und Bleibstift. Symbolisch für die Messung von Nachhaltigkeit.

Messung von Nachhaltigkeit

Eine ganzheitliche Messung und Bewertung der Nachhaltigkeit wurde erst in den letzten Jahren begonnen zu entwickeln. Allerdings existieren bereits einige Methoden mit denen es möglich ist Teilaspekte der Nachhaltigkeit zu untersuchen.

Es existiert eine Vielzahl von Methoden zur Nachhaltigkeitsbewertung, die sich in eindimensionale und mehrdimensionale Methoden einteilen lassen. Die eindimensionalen Methoden bewerten dabei lediglich einen Teilaspekt der Nachhaltigkeit. So werden mit dem Carbon Footprint die Emissionen, mit dem Water Footprint das Wasser, mit einer Ökobilanz die Auswirkungen der ökologischen Dimension der Nachhaltigkeit, mit einer Sozialbilanz die Auswirkungen der sozialen Dimension der Nachhaltigkeitund mit dem Ökologischen Handabdruck als Gegenstück zum Ökologischen Fußabdruck die positiven Einflüsse auf die Umwelt behandelt2

Die mehrdimensionalen Methoden der Nachhaltigkeitsbewertung beziehen mehr Indikatoren der verschiedenen Dimensionen des integrativen Aspektes mit ein und sind deshalb umfassenderer Natur. So wird mit der ökoeffizienz-Bewertung die ökologische und die ökonomische Dimension der Nachhaltigkeit bewertet und mit dem Product Sustainability Assessment (PROSA) werden sogar alle drei Dimensionen in die Analyse integriert1

Ein Beispiel für den Umgang mit Unsicherheiten bei mehrdimensionalen Nachhaltigkeitsbewertungsmethoden liefert die Fuzzy-Logik. In vielen Modellen wird bei der Bewertung von Nachhaltigkeit von einer vollständigen und exakten Datenlage ausgegangen. In der Praxis ist diese Annahme jedoch häufig nicht korrekt und es liegt Unsicherheit vor. Diese wird in zwei Fälle aufgeteilt: Unsicherheit bezüglich des Eintretens der Umweltzustände und Unsicherheit bezüglich der Daten über den Umweltzustand. Im ersten Fall wird meist mit Hilfe von statistischen Modellen gearbeitet, um die Unsicherheit darzustellen. Der zweite Fall wird wiederum in Situationen unter Unschärfe (engl. Fuzziness) oder unter Unvollständigkeit unterschieden3. Modelle, die die vagen erfassten verfügbaren Informationen bearbeiten, heißen Fuzzy-Modelle und können zur Nachhaltigkeitsbewertung herangezogen werden4. Wenn die zu erfassenden Daten nicht oder nur teilweise vorliegen, wird wiederum von Unvollständigkeit gesprochen3.

 

Mehrdimensionale Nachhaltigkeitsanalysen über Unternehmen werden außerdem von Nachhaltigkeitsratingagenturen durchgeführt. Diese wenden dabei allerdings verschiedene Methoden an, die sich grundlegend unterscheiden, wodurch differierende Ergebnisse erzielt werden. Ein Beispiel ist der ESG Combined Score von Refinitiv. Dieser wird von Thomson Reuters verwendet und umfasst soziale, umweltbezogene und regulative Aspekte sowie nachhaltigkeitsbezogene Kontroversen auf Unternehmensebene. Für die Bildung des Scores, der zwischen Null und Eins liegt, werden über 400 verschiedene Datenpunkte für jedes Unternehmen aus Geschäftsberichten, Unternehmenswebseiten, Börsenwerten, Nachhaltigkeitsberichten, Nachrichten und weiteren Quellen herangezogen5

Von einigen Experten wird kritisch angemerkt, dass für einige Agenturen die Nachhaltigkeit kein intrinsisch motivierter Aspekt, sondern Mittel zum Zweck der ausschließlich finanziellen Performance ist, Intransparenz über die angewendete Methodik herrscht und dadurch die Möglichkeit einer Täuschung von ethisch motivierten Ratingnutzern besteht6

Eine weitere Methode der Nachhaltigkeitsbewertung bietet das Life Cycle Sustainability Assessment (LCSA). Dieses wird jedoch auf Grund seiner Komplexität in einem gesonderten Beitrag, der demnächst erscheinen wird, betrachtet.