Analyse einer Ökobilanz

Ökobilanzen

Ökobilanzen existieren bereits seit einigen Jahrzehnten. Allerdings erfreut sich das Thema durch die aktuellen Entwicklungen im Bereich Nachhaltigkeit zunehmender Aufmerksamkeit. Doch was sind eigentlich Ökobilanzen genau? Diese Frage beantwortet der folgende Artikel.

Eine Ökobilanz ist eine Methode, um „Umweltauswirkungen von Produkten, Prozessen oder Unternehmen zu analysieren1. Die Methodologie einer Ökobilanz ist im ISO 14040 und 14044 Standard festgelegt. Danach ist der Prozess der Berechnung einer Ökobilanz in vier Schritte aufgeteilt:

  1. Definition von Ziel und Umfang der Studie
  2. Sachbilanz
  3. Wirkungsabschätzung
  4. Auswertung und Interpretation

Der erste Schritt einer Ökobilanz ist stets die Definition des Ziels der Untersuchung. Dieses könnte beispielsweise die, für den internen Gebrauch bestimmte, Gewinnung von Umweltkennzahlen sein. Eine andere Möglichkeit könnte das Ziel der Veröffentlichung der Ergebnisse zu Marketingzwecken sein. Während dieses Schrittes wird auch die funktionelle Einheit festgelegt. Sie stellt die Bezugsgröße dar, auf welche sich die anschließenden Analysen beziehen. Ein Beispiel für eine funktionelle Einheit, die sich auf ein Elektroauto bezieht, wäre die Beförderung einer Person in einem Zeitraum von 10 Jahren. Die Festlegung der funktionellen Einheit ist wichtig, um verschiedene Produkte miteinander vergleichen zu können. Mit der hier formulierten funktionellen Einheit ließe sich die Nutzung des Elektroautos also auch mit der Nutzung eines Dieselautos oder mit der Nutzung von öffentlichen Verkehrsmitteln vergleichen.

Im Anschluss daran wird der Umfang der Studie samt der Systemabgrenzungen festgelegt. Hierbei wird also entschieden welcher Teil des Lebenszyklus eines Produktes betrachtet wird. Es gibt hier viele Möglichkeiten: Cradle to Cradle, Cradle to Grave, Cradle to Gate, Gate to Gate sind die prominentesten Möglichkeiten der Systemabgrenzungen. Cradle to Cradle (dt.: Von der Wiege bis zur Wiege) bezeichnet die Betrachtung eines Kreislauf-Lebenszyklus eines Produktes. Cradle to Grave (dt.: Von der Wiege bis zur Bahre) bezeichnet die Betrachtung des gesamten Lebenszyklus vom Rohstoffabbau bis zur Verschrottung eines Produktes. Cradle to Gate (dt.: Von der Wiege bis zum Tor) bezeichnet die Betrachtung vom Rohstoffabbau bis zu einem speziellen Punkt in dem Lebenszyklus eines Produktes. Dieser Punkt wird häufig bei der Anlieferung eines Produktes am Werkstor eines Unternehmens gesetzt. Gate to Gate (dt.: Vom Tor bis zum Tor) bezeichnet die Betrachtung aller Prozesse innerhalb einem Teilausschnitt des gesamten Lebenszyklus eines Produkts. Häufig ist dieser Teilabschnitt so gewählt, dass alle Prozesse innerhalb des Wirkungsraumes eines Unternehmens in die Berechnung inkludiert sind.

Im zweiten Schritt, der Sachbilanz, werden alle Flüsse oder Prozesse, welche in das zuvor bestimmte System hinein oder aus dem System hinausgetragen werden, erfasst. Innerhalb dieser Phase werden die Daten für die Ökobilanz gesammelt2,3. Die Norm sieht dabei vor, möglichst Primärdaten zu erfassen. Diese werden direkt beim betrachteten Unternehmen gemessen oder von ihm veröffentlicht. Sollte dies nicht möglich sein, werden die entsprechenden Werte der In- oder Outputs mit Hilfe von anderen, verfügbaren Daten aus Datenbanken oder Recherchearbeit modelliert

Anschließend wird eine Wirkungsabschätzung durchgeführt. Diese wird wiederum in die Phasen der Klassifizierung, Charakterisierung, Normalisierung und Gewichtung aufgeteilt. Während der Klassifizierung werden die einzelnen Komponenten der Sachbilanz in die jeweiligen Auswirkungskategorien eingeordnet. Die Charakterisierung beschreibt die Umrechnung der eingeordneten Komponente in vergleichbare Einheiten der Auswirkungskategorien mittels Äquivalenzfaktoren. Die Phasen der Normalisierung und Gewichtung sind optional und skalieren die Daten mittels eines Referenzwertes, beziehungsweise gewichten die Daten mit Hilfe von Gewichtungsfaktoren.

Die Wirkungsabschätzung geschieht mit Hilfe von Softwareprogrammen automatisiert. Dabei kann aus verschiedenen Methoden der Wirkungsabschätzung gewählt werden. Diese unterschieden sich hauptsächlich in der Nutzung von leicht variierten Äquivalenzfaktoren und in der Herausgabe der Wirkungskategorien. Beispiele für häufig genutzte Wirkungskategorien ist das Treibhausgaspotential, das Versauerungspotential, die Ökotoxizität oder der Wasserverbauch.

Im letzten Schritt einer LCA wird das Ergebnis analysiert und interpretiert2,3. Hierbei sind verschiedenste individuelle Analysen möglich: Die Analyse der größten Verursacherprozesse für Treibhausgasemissionen innerhalb einer Wertschöpfungskette, der summierte CO2-Rucksack eines Produktes über den gesamten Untersuchungsrahmen oder die Aufdeckung von bislang unbekannten Quellen für große Umwelauswirkungen. In diesem Schritt ist zudem die Durchführung von Sensitivitätsanalysen möglich. Dabei werden einzelne Werte in der Sachbilanz variiert und die Auswirkungen auf das Gesamtergebnis beobachtet. So können mögliche Verbesserungsmaßnahmen vorab auf Ihre Wirksamkeit überprüft und interpretiert werden.

Die LCA ist die am weitesten entwickelte Methode innerhalb des LCSA-Rahmens4. Jedoch ist auch bei dieser der Entwicklungsprozess noch nicht abgeschlossen und es finden sich stetig neue Verbesserungsvorschläge in der wissenschaftlichen Literatur. Es wird beispielsweise moniert, dass im Anschluss an eine LCA häufig keine Überprüfung stattfindet, ob die Ergebnisse des Modells mit dem realen System übereinstimmen. Es mangelt somit an einer Validierung der ermittelten Resultate der LCA, denn ein Modell, welches nicht getestet wird, hat ein anfechtbares Ergebnis. Diese Validierung wird entweder durch Audits vor Ort oder durch Vergleiche mit anderen LCAs ermöglicht5. Neben der Validierung der Ergebnisse wird vor allem eine Validierung der Daten, welche in das Modell hereingegeben werden, in der ISO 14040 nicht erwähnt3.

Zusätzlich zu den Aspekten, die nach Meinung einiger Experten der Methodologie der LCA hinzugeführt werden sollten, existieren auch Vorgaben, welche in der Praxis nicht umgesetzt werden. Ein Beispiel dafür ist die repetitive Eigenschaft der LCA. Die Methodologie von LCAs sieht ursprünglich vor, dass die Untersuchungen in periodisierten Abständen wiederholt werden, um auftretende Veränderungen in das Modell mit aufzunehmen und somit das Ergebnis der LCA zu aktualisieren.